Nasreddin Hoca Abend in der NRZ Dinslaken

NRZ Dinslaken vom 11.11.2008:

Ein weiser Mann auf seinem Esel

Dinslaken, 11.11.2008, BIRGIT GARGITTER

 

FOLKLORE. Nasreddin Hodscha, eine Art Till Eulenspiegel, brachte am Wochenende gute Laune ins Ledigenheim.

DINSLAKEN. “Eines Tages kam ein Dieb ins Haus Nasreddin Hodschas, nahm alle Dinge denen er habhaft werden konnte und machte sich aus dem Staub. Da packte der Hodscha die restlichen Sachen zusammen und folgte dem Dieb zu dessen Haus. Dort klopfte er höflich an die Tür und begehrte Einlass. Der Dieb fragte erbost: ,Was hast du hier zu suchen, Nasreddin Hodscha?’ Worauf dieser antwortete: “Ich denke wir sind in dieses Haus umgezogen, und hier sind noch die restlichen Sachen.”

Nasreddin ist zugleich eine Weisen-, Narren-, Meister-, Philosophenfigur aus Italien, dem Balkan, der Türkei und Vorder- sowie Zentralasien. “Viele Länder beanspruchen ihn für sich”, so Veysel Inan, der den Hodscha am Wochenende stilecht mit weißem Bart und Turban sowie osmanischer Tracht auf die Bühne des Ledigenheimes brachte. Eingeladen vom Integrationsrat und umjubelt von rund 300 Zuschauern türkischer Herkunft sollte der Künstler vor allen Kindern die volkstümliche Figur nahebringen. Denn, so Yakup Tufan vom Integrationsrat, kenne heute kaum jemand den türkischen Voksweisen.

“Er ist so eine Art Nikolaus”, erzählt die 13-jährige Gamze auch prompt. Weit gefehlt, Nasreddin verteilt zwar auch Geschenke an Kinder, glänzt mit seinen verschmitzten Weisheiten, doch “der Nikolaus war kein Muslim”, so Inan. Drei Stunden lang begeistert er in leider zumeist türkischer Sprache. Mag sein, dass die Weisheiten schwer zu übersetzen sind, doch verbergen sie auch im Deutschen nicht ihren Reiz. Denn mit seinen Anekdoten führt uns der angeblich 1208 in der Provinz Konya geborene Nasreddin, dessen Markenzeichen es war, verkehrt herum auf einem Esel zu sitzen, anschaulich vor Augen, dass Humor und gesunder Menschenverstand im täglichen Leben sinnvoller als das blinde Befolgen von Dogmen sind.